Färben


Indigo aus Färberwaid


Färberwaid (lat.Isatis tinctoria) gehört zu den ältesten Kulturpflanzen. Aus ihm konnte bereits in frühgeschichtlicher Zeit der begehrte blaue Farbstoff Indigo gewonnen werden. Schon den Kelten war die Bedeutung dieser Pflanze bekannt. Im Mittelalter gaben es ausgedehnten Färberwaid-Anbau, der jedoch mit der Entdeckung des Seewegs nach Ostindien im 16. Jahrhundert rasch abnahm, da von dort Indigo höherer Qualität billiger eingeführt werden konnte. Die "Waidkulturen" hörten erst in jüngerer Zeit endgültig auf, als die Herstellung künstlicher Farbstoffe möglich wurde. Heute finden wir den Färberwaid wildwachsend noch in sommerwarmen Gebieten auf trockenen Wiesen, an Lößwänden und Erdaufschüttungen.
Dass die Wikinger in Haithabu blau gefärbt haben ist sicher: Inga Hägg erwähnt in ihrem Buch "Die Textilfunde aus der Siedlung und aus den Gräbern von Haithabu" blauen Fasern in Gräbern. Ob es sich dabei sogar um indischen Indigo gehandelt haben könnte ist Spekulationssache.


Bei unserer Indigo-Färbung folgen wir grob dem Rezept von Iet van de Vrande ("Wolle färben mit Naturfarben" Ravensburger Verlag):
Für 100 gr Wolle braucht man:

  • 3,5 l Wasser
  • 7 gr Hydrosulfit
  • 14 ccm Ammoniak 25%
  • 4 - 8 Messerspitzen Indigopulver (bei natürlichem Indigo ca. das Doppelte)


    Netterweise haben uns Hrolf und Aswar eine Weide mit viel Platz und eine gute Feuerstelle zum Färben zur Verfügung gestellt.

 


Kalte Stammküppe

Das Indigopulver und die anderen Zutaten werden in einer Schüssel mit wenig Wasser gemischt. Mit dem Ammoniak zu arbeiten erweißt sich als riskant, da alleine schon die Dämpfe reizend sind. Deswegen empfiehlt es sich auf jeden Fall im Freien zu arbeiten. 20l Wasser werden für das Küppenbad auf einer Feuerstelle auf 55° C gebracht. Anschließend werden die Zutaten in die Küppe gegeben. Ist die richtige Temperatur erreicht, sieht die Küppe glasig, gelb/grünlich aus, mit einem leichten blauen Schaum auf der Oberfläche.

Nach einer kurzen Wartezeit wird der Stoff, hier etwa 2,0 m x 1,5 m Leinen, ins Küppenbad gegeben, unter Wasser gedrückt und vorsichtig umgerührt. Es darf nicht zuviel Sauerstoff in das Bad gelangen. Nach 15 min wird der Leinstoff herausgeholt und...
...ist neongelb!

Der Stoff wird zum Trocknen über zwei lange Stahlseile gehängt. Sobald der Indigo-Farbstoff in den Leinenfasern mit Sauerstoff in Berührung kommt, verändert er sich merklich in der Farbe. Nach ca 20 - 30 min wird aus dem anfänglichen Neongelb ein graues Blau. Danach kann der Stoff noch mehrere Male ins Küppenbad getaucht werden um die Farbintensität zu verstärken. Es muss aber immer darauf geachtet werden dass das Bad eine Temperatur zwischen 55° C - 60° C hält.




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